Verschuldung weltweit auf Rekordniveau – Was für Auswirkungen kann das auf mein Portfolio haben?

Jüngst ist die Verschuldung der Staaten weltweit extrem angestiegen. Zum Einen wegen der immer stärker schwächelnden Wirtschaft und dann zum Anderen auch noch wegen Corona, um die gebeutelte Wirtschaft zu stützen und vor dem Kollaps zu bewahren. Deutschland ist eines der Länder, welches die Staatsverschuldung vor Corona Ausbruch senken konnte, mittlerweile hat sich die Entwicklung leider wieder umgekehrt und zwar hat die Regierung viele Unterstützungsprogramme eingeführt, damit unsere Wirtschaft nicht einbricht und das System vor einen totalen Kollaps zu bewahren. Nicht nur in Deutschland konnten wir eine Steigerung der Verschuldung erkennen, sondern weltweit mussten die Länder viele Schulden machen, um die Wirtschaft zu unterstützen. Die Verschuldung ist vom Jahrende 2020 gegenüber dem Vorjahr um 14.4% gestiegen (Quelle: Statistisches Bundesamt) und der Verschuldungsgrad ist von 59,7% auf 69,8% des BIP gestiegen. Schulden dürfen nicht gleich verteufelt werden, denn sie sind oftmals notwendig um kurzfristige Liquiditätsengpässe zu überbrücken und um Investitionen zu tätigen. Ein hoher Verschuldungsgrad bedeutet nicht gleich sofort, die Zahlungsunfähigkeit eines Staates. Die Verschuldung wird oft im Verhältnis des BIP gesetzt, das bedeutet zum Beispiel für Deutschland, dass die Staatsschulden 69.8% des deutschen BIP ausmacht.

Japan mit hohen Verschuldungsgrad

Schauen wir beispielsweise mal nach Fernost und zwar genauer gesagt nach Japan, da finden wir ganz andere Welten vor und zwar beträgt dort der Verschuldungsgrad im Jahre 2020 ganze 256.22% (Quelle: https://de.statista.com). Hat das jetzt zur Folge, dass Japan in den nächsten Jahren insolvent geht?
Nein, denn theoretisch kann ein Land unendlich Schulden aufnehmen, solange es die Zinskosten decken kann. Japan ist eines der wirtschaftsstärksten Länder auf der Welt und auch wenn deren Wachstum seit Jahren stagniert. Japans hat das drittgrößte BIP weltweit und wird auch mit den hohen Verschuldungsgrad nicht gleich zahlungsunfähig. Zudem werden Staatsschulden nicht aus Langeweile gemacht, sondern ein Großteil der Verschuldung wird in Infrastrukturprojekte, Forschung und Bildung gesteckt. Diese Investitionen sollten sich langfristig positiv auf das BIP eines Landes auswirken. Die Schulden werden somit auch zu Lasten der zukünftigen Generationen gelegt mit der Hoffnung, dass auch die nächsten Generationen zum Erhalt bzw. zum Wachstum der Wirtschaftskraft des Landes beitragen.

Disclaimer

Bitte beachte meinen Haftungsausschluss. Ich betreibe keinerlei Anlageberatung und spreche keine Empfehlungen aus. In allen Wertpapieren, ETFs, Kryptowährungen und P2P-Plattformen, über die ich berichte, bin ich selbst investiert. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr. Entwicklungen der Vergangenheit sind kein Indikator für zukünftige Entwicklungen!

Steigende Margin Debt

Seit dem Corona Crash haben sich die Märkte ziemlich schnell erholt und auch die Margin Debt ist seitdem extrem schnell angestiegen. Bei Margin Debt handelt es sich um Schulden, die gemacht werden um damit Aktien oder andere Finanztitel zu erwerben. Im Juni 2021 beträgt die Margin Debt ca. 882 Billionen USD und bildet damit den Höchststand in der Margin Debt Historie. Im Juli ist die Margin Debt seit der Erholung erstmal wieder gefallen auf ca. 844 Billionen USD. Die Investoren kaufen sozusagen “Aktien auf Pump” mittels Margin über deren Broker Konten. Ähnlich wie bei den Staatsschulden sind steigende Margin Debt auch kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Aktienperformance.

FINRA Margin Debt

Margin Investment sollte mit Vorsicht genossen werden, weil sobald die Kurse der zugrundeliegenden Werte fallen (teilweise mit geliehenen Geld) und dadurch dein Konto möglicherweise nicht mehr die Mindestgeldmenge decken kann, führt das zu einen sogenannten Margin Call, das bedeutet dein Broker wird von Dir verlangen die Verluste durch Nachschießen von Geld oder durch einen Zwangsteilverkauf deiner Positionen abzufangen.

Zum Beispiel:
Du hast ein Konto mit 5000€ und kaufst nun 200 Aktien zum Kurs von 50€ im Wert von 10000€ (5000€ sind Margin Debt). Die Mindest-Margingrenze beträgt 30%. Formel: 5000/(1-0.3) = 7142
Ein Margin Call wird ausgelöst, wenn beispielsweise der Kurs der Aktie nun von 50€ auf 35€ fällt. Der Kontowert beträgt jetzt 7000€. Durch die Kursabfall ist unser Kontowert nun unter der Mindest Margingrenze gefallen. Sobald der Kontowert in diesem Beispiel unter 7142€ fällt, muss der Margin Investor das Konto auf mindestens die Mindestanforderungsgrenze wieder bringen, ansonsten hat der Broker das Recht deine Positions teilweise zu verkaufen, auch mit Verlust für Dich!

Was muss ich beachten bei Margin Debt?

Ich persönlich bin sehr vorsichtig was Margin Investment angeht, zwar ermöglicht Margin Investment mehr Gewinn aus den verfügbaren Kapital zu erwirtschaften oder wenn du kurzfristig Geld benötigst um deine gewünschten Positionen aufzubauen. Mit Margin ist dein Konto flexibler und auch “schlagfertiger”. Zum Beispiel wenn du dir sicher bist, dass die Kurse für bestimmte Aktien steigen werden, dann ermöglicht die Margin Dir deine Positionen aufzubauen und zugleich hast du noch Geld zur Verfügung für anderweitige Investitionen. Während dem Corona Crash befand sich auch mein Portfolio on Margin und zwar habe ich viele meiner ETF Positionen kurzfristig stark ausgebaut. Dafür habe ich meinen Wertpapierkredit eingesetzt, dieser hat es mir ermöglicht kurzfristig mit nicht verfügbaren Geld zu investieren und sozusagen den Geldfluss in die Zukunft verschoben hat. Am Ende ist es deine Pflicht deine Margin wieder auszugleichen bzw. den Broker das Geld wieder zurückzuzahlen. Wie bereits oben erwähnt, muss Du immer auf deine Mindestdeckungsgrenze achten, ansonsten läufst du Gefahr in einen Margin-Call zu geraten und dann kann es teuer werden für Dich. Meine genutzte Margin war immer sehr weit entfernt von der Mindestdeckungsgrenze und zwar war sie zu klein, dass ein Margin-Call theoretisch unmöglich gewesen wäre in meinen Fall. Nichtdestotrotz hat Margin die Rendite meines Portfolios erheblich verbessert.

Weltweit sind die Schulden aufgrund der Corona Krise sehr stark angestiegen, aber es ist bereits eine Erholung der Wirtschaft zu erkennen und mit den Impffortschritt werden die Infektionsherde höchstwahrscheinlich abgeschwächt. Nach langsamen Wiederöffnung der Wirtschaft werden dann auch die Verschuldungsgrade etwas sinken. Margin Debt ist im Julti 2021 auch erstmal wieder gesunken, es ist gut zu beobachten wie die kommenden Monate aussehen werden. Staatspleiten werden wir höchstwahrscheinlich nicht erleben, allerdings werden stärkere Korrekturen sicherlich noch eintreten. Alle Märkte sind derzeit stark aufgebläht und das Geld ist gerade billig. Daher haltet eure Margin Requirements im Auge, insofern ihr “on margin” traded. Außerdem wegen steigender Inflationsraten wird die FED bald wohl die Leitzinse wieder anheben, was eine Kettenreaktion auf viele Leitzinssätze hat. Sobald die Leitzinssätze wieder steigen, werden damit festverzinsliche Wertpapiere gegenüber Aktien wieder attraktiver. Das führt zu Kursverlusten auf den Aktienmärkten.

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