Tagesgeld ist Geschichte, welche Alternativen gibt es nun?

Seitdem die EZB die Leitzinsen immer weiter senkt und diese bereits ins Negative gehen, werfen festverzinste Finanzprodukte, wie z.B. Tagesgeld, Festgeld und Anleihen, überhaupt keine Zinsen mehr ab. Die Zinsen für Tagesgeld, Festgeld und Sparbücher laufen gegen Null und werden wohl auch in der Zukunft auf diesen Niveau bleiben. Eine Zwangsenteignung der Sparergemeinschaft in Europa. Nun stellt sich die Frage, welche Alternativen bleiben uns dann noch übrig? Leider ist die Antwort wenig erfreulich für Sparer, denn wir werden gezwungen unser Geld in anderweitige Assets zu investieren. Mit dieser Maßnahme versucht die EZB das Geld im Wirtschaftskreis zu erhöhen und damit ggf. auch die Wirtschaft anzukurbeln. Als ich mit dem investieren begann, habe ich selbst ein Tagesgeldkonto mit 2,1% Verzinsung eröffnet und das ist bereits Ewigkeiten her und ob wir jemals auf dieses Niveau zurückgelangen ist sehr fraglich.

Folgen der Nullzinspolitik

  • Preisblasen anderer Assetklassen (Immobilien und Aktien)
  • Aktienwerte entkoppeln sich von tatsächlicher Unternehmensbewertung
  • Zombifizierung von Unternehmen
  • steigende Kluft zwischen Reich und Arm

Die niedrigen Zinsen führen zu mehreren Entwicklungen unter Anderem zu Preisblasen in allen anderen Assetklassen, wie z.B. Aktien und Immobilien. Heute sind selbst die Baufinanzierungszinsen auf Rekordtief, sodass viele Menschen den Immobilienkauf wagen und bei diesen Zinsniveau lohnt es sich für Großbanken eher Hypothekendarlehen zu vergeben, als kleine Unternehmenskredite oder Konsumkredite. Allerdings müssen wir berücksichtigen, dass aufgrund der billigen Kredite auch immer mehr Menschen versuchen, diese Kreditkonditionen auszunutzen und um damit an Immobilienbesitz zu gelangen. Das hat zur Folge, das die Preise für Immobilien sehr schnell ansteigen, vor allem in beliebten Ballungszentrem sind diese Preisentwicklungen extrem. Im unteren Diagramm der Deutschen Bundesbank können wir sehr gut sehen, dass sich die Wohnimmobilienpreise seit 2010 nahezu verdoppelt haben und die Entwicklung scheint anzuhalten. Dass sich dieser Trend fortsetzt scheint wahrscheinlich, weil die Zinsen höchstwahrscheinlich auch in Zukunft sehr niedrig bleiben werden. Nun steigen die Immobilienpreise weiter an, aber können wir diese Entwicklung auch in den Einkommen erkennen?

Forschungszentrum der Deutschen Bundesbank, Private Haushalte und ihre Finanzen,

Laut dem Statistischen Bundesamt sind die durchschnittlichen Einkommen in den neuen Ländern und Berlin von 28700€ im Jahre 2008 auf 40300€ im Jahr 2018 gestiegen (Quelle: Statistische Bundesamt, Einsicht: 18.08.20) . Das ist ein Anstieg von ca. 40%, aber reicht dieser Anstieg für private Haushalte, um mit der Immobilienentwicklung mitzuhalten? Meiner Meinung nicht, aber aufgrund der niedrigen Zinskonditionen scheinen die Kaufpreise dennoch erstmal stemmbar zu sein, weshalb viele Haushalte die Finanzierung in Betracht ziehen.


Da Bargeld- und Spareinlagen heute kaum noch Zinsen abwerfen und in Zukunft sogar möglicherweise Kosten verursachen werden, wird dieses Geld allmählich abgezogen und reinvestiert in Aktien, Immobilien, Rohstoffe etc. Nichtdestotrotz ist die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland sehr hoch und zwar haben die 10% Vermögensten in Deutschland einen Anteil am Gesamtnettovermögen in Deutschland von 55% (Quelle: Dr. Tobias Schmidt und Dr. Julia Le Blanc, Forschungszentrum der Deutschen Bundesbank, Private Haushalte und ihre Finanzen, Einsicht: 16.08.2020). Für die wohlhabenden Haushalte in Deutschland kommt das billige Geld sehr gelegen und es ermöglicht Ihnen Geld in lukrative Investitionsmöglichkeiten schnell anzulegen.

Forschungszentrum der Deutschen Bundesbank, Private Haushalte und ihre Finanzen,

Ein weiteres Phänomen der Nullzinspolitik ist die Zombifizierung der Unternehmen und zwar können nicht nachhaltige Unternehmen durch das günstige Geld länger überleben. Kredite sind keinesfalls schlecht für Unternehmen, sondern essentiell, aber leider erzeugt diese Geldpolitik derzeit auch ein Abdriften von der Realität. Nach der Corona Krise wurden die Insolvenzantragspflicht in Deutschland auch für einige Zeit ausgesetzt (Quelle: Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Einsicht: 16.08.2020). Viele Unternehmen werden dadurch künstlich am Leben gehalten, obwohl das Geschäftsmodell bzw. die Geschäftsaktivitäten nicht mehr tragfähig sind. Diese Regelung wird zur einer Pleitewelle in den nächsten Monate führen.

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Alternativen zu Tagesgeldkonten und Sparbüchern

Wie bereits oben schon erwähnt, werden für Tagesgeld und Sparbucheinlagen keine nennenswerten Zinsen mehr erhalten, wodurch wir gezwungen sind nach neuen Invesititionsmöglichkeiten Ausschau zu halten.

  1. Investiere in Aktien – Zurzeit profitieren besonders Aktien von dieser Geldpolitik, denn Privatinvestoren suchen neue Anlagemöglichkeiten und da festverzinslichte Wertpapiere und Einlagen keine Rendite mehr erzielen, wird überschüssiges Geld in Aktien angelegt. Das hat auch zur Folge, dass sich die Aktienpreise stärker von realen Geschäftsdaten entkoppeln. Viele reden hier auch von einer Aktienblase oder ähnliches. Die Märkte befinden sich trotz Corona und der daraus resultierenden Folgen auf beinahe Vorkrisenhöchstständen. Wer beim Tiefpunkt nachgekauft hat, hat sicher heute eine gute Rendite eingefahren, allerdings scheint der Optimismus der Märkte zurzeit sehr hoch zu sein.
  2. Investiere in Gold – Seit der Corona-Krise sind die Goldpreise extrem gestiegen. Gold ist besonders zu Krisen und unsicheren Zeiten ein sehr beliebter Hafen. Wir müssen bedenken, dass die Regierungen immer mehr Schulden aufnehmen, obwohl diese bereits auf riesigen Schuldenbergen sitzen und das Vertrauen, dass die Länder unendlich Schulden weiter aufbauen können, scheint bei Anleger zu bröckeln. Schulden werden auf Kosten der zukünftigen Generationen gemacht, aber man muss sich die Frage stellen, ob zukünftige Generationen diese Schulden überhaupt noch abbauen können?. Dieses Konstrukt muss doch irgendwann in sich zusammenfallen oder nicht? Das Finanzsystem befindet sich derzeit im Umbruch und ein kleiner Anteil in Gold schadet in keinen Portfolio.
  3. Investiere in Betongold – Immobilienbesitzer sind heute aufjedenfall die großen Gewinner der Politik, vor allem in Ballungszentren haben sich die Preise extrem gut entwickelt. Mittlerweile ist der Immobilienmarkt meiner Meinung nach sehr überhitzt und auch teilweise überteuert. Die Angebotspreise übersteigen oft leider den realen Wert der Immobilie, hier sollte man eine sehr gute Analyse durchführen oder es gleich einen Fachmann überlassen. Das Kauf-Miet-Verhältnis ist ein grober Indikator, ob eine Immobilie in Relation mit der jetzigen Miete erschwinglich ist. In den Großstädten ist dieser Faktor oftmals über 30, wobei sich die optimale Spanne um die 20 befindet. Das heißt man müsste ca. 20 Jahresmiete zahlen, um den vollen Kaufpreis der Immobilie gedeckt zu haben.
  4. In FinTech investieren – Dazu zählen Plattformen im Bereich Crowdlending und Crowdfunding. Investitionen in P2P-Plattformen sind indirekt auch Investitionen in die Fintech-Branche, die mit innovativen Plattformen und Ideen die Finanzbranche verändern. P2P-Plattformen sind noch sehr junge Unternehmen und daher gibt es auch hier ein gewisses Risiko. Besonders das Plattformrisiko ist nicht zu unterschätzen, da es bereits einige betrügerische oder insolvente Plattformen gab. Etablierte Plattformen haben in der Corona Krise bisher gut standgehalten und liefern regelmäßige Zinserträge.
  5. In Dich selber investieren – Nutze die Gelegenheit in Weiterbildungen, Schulungen, Coaching und Bücher zu investieren. Mit mehr Wissen öffnen sich mehr Türen zu neuen Chancen. Auch ein gut bezahlter Job hilft Dir deine Finanzen in Griff zu bekommen!

Literaturverzeichnis:

Ronald Stöferle, Rahim Taghizadegan, Gregor Hochreiter (2019): Die Nullzinsfalle: Wie die Wirtschaft zombifiziert und die Gesellschaft gespalten wird, 2. Auflage, München, Deutschland: Finanzbuch Verlag

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